| Die Mühlen am Thialbach |
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Mit der Seßhaftwerdung des Menschen und dem Anbau von Getreide entsteht das Erfordernis, die geernteten Körner zu zerkleinern und zu mahlen. Zuerst geschieht es händisch, doch schon sehr früh nutzen findige Köpfe die Wasserkraft. Überall im Land entstehen Mühlen, und da die Transportmöglichkeiten begrenzt sind, baut man sie möglichst nahe an den Siedlungen und oft an den kleinsten Bächen. So ist vom Thialbach überliefert, daß es dort einst drei Mühlen gegeben hat, zwei oberhalb der Brücke, an den Standorten der beiden alten Häuser und eine dritte unterhalb der Brücke an der Straße ins Gramlach. Diese Mühle unter dem Weg war die Angedairer Mühle des Kaufmannes Ludwig Röck. Das Hochwasser des Jahres 1772 schwemmte die ganze Anlage, zu der auch ein Sägewerk gehörte, weg und konnte nicht wieder aufgebaut werden. Die Mühlengerechtigkeit wurde daraufhin nach Bruggen übertragen. Die beiden Betriebe oberhalb der Brücke waren die Perfuchser Mühlen. Es waren bescheidene Anlagen mit nur einem Gang. Aus dem Tobel führte ein Gerinne zum Mühlrad beim oberen Haus und weiter zur unteren Mühle. Da der Thialbach auch das Wässerwasser für die Perfuchser Wiesen lieferte, reichte in den Sommermonaten seine Kraft oft kaum zum Antrieb der Mühlräder. Und besonders die untere Mühle, die auf Grund der geringen Höhendifferenz zur oberen Mühle benachteiligt war, stand oft still. Wir beginnen die Geschichte der beiden Mühlen um 1800. Die Zeiten waren schlecht; Napoleon brachte über ganz Europa Krieg und Elend, auch Tirol blieb nicht verschont. Die Mühlen wechselten oft nach kurzer Zeit die Besitzer. Die obere Mühle war ein stattliches Haus mit einem vollen Obergeschoß, das bis in unsere Zeit nahezu unverändert geblieben ist. Ein Gerinne leitete das Wasser vom Tobel an die nördliche Hausseite, wo sich das Mühlrad befand. Das dazugehörige Wirtschaftsgebäude befindet sich an der Hangseite zum unteren Haus hin. Peter Paul Zangerl, der damalige Eigentümer, verkaufte 1804 die Mühle mit den dazugehörigen Wiesen und einem Waldteil den Eheleuten Franz Hackl und Maria Plattner. Diese verzogen im Jahre 1810 nach Silz und gaben ihren Besitz am Thialbach um 1.395 Gulden dem Alois Westreicher und der Kreszenz Zangerl weiter [1] . Am 13. Jänner 1812 verkauften sie die Mühle dem Ehepaar Lukas Siegele und Agathe Kathrein aus Ladis um 1.900 Gulden [2] . In diesem Vertrag sind die zum Anwesen gehörigen Güter aufgelistet, wie ein Viertel Muttmahl Acker aus dem neben und unter der Mühlbehausung liegenden Neurauth, dann zwei Mannmahd Wiesen mit der darin befindlichen Waldung. An Grundzins waren dafür dem Schloßurbar Landeck jährlich 16 Kreuzer Grundzins zu entrichten. Nach nur einem Jahr kaufte der Pfundser Wirt Joseph Schwarz dem Ehepaar Siegele die Mühle um 1.925 fl ab; der Kaufpreis war gleich hoch wie die darauf lastenden Schulden [3] . Joseph Schwarz verpachtete die Mühle dem Mathias Erhart, der sich offenbar keine Existenz damit sichern konnte und wieder auszog. Am 4. Oktober 1813 - der Kaufvertrag des Joseph Schwarz war noch nicht verfacht - erwarb Josef Miller die Mühle um 1.930 Gulden [4] . Der zu übernehmende Schuldenstand betrug [5] 1.200 fl. Als Gläubiger dieser Summe ist Johann Georg Knabl aus Fließ genannt. Josef Miller war ein Sohn des Müllers von Bruggen, Lorenz Miller. Er ist der Vater des Poeten Dr. Isidor Müller [6] , dessen Biographie ein anderer Beitrag behandelt. Auch Josef Miller konnte mit dem Ertrag, den die Mühle abwarf, nicht leben und verkaufte sie am 8. Mai 1814 dem Johann Georg Knabl, der als Gläubiger im Vorvertrag aufscheint, um 2.100 fl. In diesem Vertrag sind auch einige Geräte aufgezählt, die mit übergeben wurden, wie: 4 Siebe, 4 Pillinge, 2 Zweispitz, 1 Handschlögl, 1 Zaptenschlögl, 1 Hebeisen, 1 geschüttelt Streichmaß, 1 Metzen, 1 Millermaßl, 1 Mußkiste, 1 Windmühle 1 Seiberer. Diesmal dauerte es drei Jahre, ehe die Mühle wieder den Eigentümer wechselte. Am 29. September 1817 erwarb sie Simon Anton Kneringer um 2.646 fl. Nach Abzug aller Verbindlichkeiten mußte der Käufer nur noch 6 Gulden erlegen. [7] Die Erhöhung des Kaufpreises ist darin begründet, daß inzwischen zwei neue Pluyen erbaut und ein neuer Mühlstein angeschafft wurde. Dieser lagerte allerdings noch bei der Gerberbrücke in Landeck. Ein Schreiben des Landgerichtes Landeck an die Gemeinde Angedair vom 7. Jänner 1817 behandelt das "Halterfahren" der Müller vom Thialbach [8] , die offenbar um ihre Existenz kämpften. Darin wird den Müllern untersagt, von den Bauern das Getreide abzuholen und das Mahlgut wieder zurückzubringen, während es den Bauern frei steht, das Getreide in die Mühle ihrer Wahl zu geben. Am 27. Feber 1822 mußte Simon Anton Kneringer zu den bestehenden Schulden noch eine weitere Hypopthek im Für vier Jahre kehrte nun Ruhe ein in der oberen Mühle, die der Müller um eine neue Pluye erweiterte. Am 20. Mai 1826 erwarb sie Martha Fuchs, des Johann Marthen Gattin aus Grins [11] , die sie am 14. Feber 1827 dem Johann Stecher und seiner Ehegattin Anna Hofer von Nauders weitergab. Der Kaufpreis bestand in 1.150 fl unter Einschluß des gesamten Mühlwerkzeuges und eines Kalbes. Erstmals ist im Vertrag auch eine Sägemühlgerechtigkeit erwähnt, die jedoch nicht ausgeübt wurde [12] . Nun blieb die Mühle über Jahrzehnte bis zu ihrer Stillegung im Besitz der Familie Stecher. In dieser Zeit kam es zur Aufteilung des Waldes im Gramlach, der bisher von den Gemeinden Angedair und dem Zehent (Perfuchs und Stanz) gemeinsam genutzt wurde. Die Gemeinde Angedair erhielt 3/8 des Waldes vom eisigen Ries bis zur Fließer Grenze, der Zehend die restlichen 5/8. Der gesamte Holzbedarf der beiden Mühlen mußte dem Zehentwald entnommen werden, wie einem Schreiben des Bezirksrichters Sulzenbacher vom 7. März 1853 zu entnehmen ist [13] . Am 14. August 1854 [14] übertrug das Ehepaar Stecher die Mühle an den Sohn Oswald. Dieser war am 26. September 1821 geboren und ehelichte am 4. November 1856 die Bauerntochter Maria Katharina Pircher. In dieser Ehe wurden eine Tochter und vier Söhne geboren. Josef Stecher, geboren am 14. Oktober 1866, der jüngste der Söhne, ist der letzte Müllermeister der oberen Mühle, deren Räder noch vor der Jahrhundertwende stillgelegt wurden. Er kaufte sich am Knappenbühel an und war wegen seines langen Bartes und seiner nach außen hin rauhen Art ein Perfuchser Original. Die Mühlbehausung übernahm Johann Stecher, der älteste Sohn. Er war von Beruf Zimmermann und bearbeitete mit seiner Frau Judith Nigg die dazugehörige kleine Landwirtschaft. Deren Tochter Josefa ehelichte am 23. Jänner 1922 den Zimmermeister Johann Winkler. In dieser Ehe erblickten sieben Kinder das Licht der Welt. Mit Kaufvertrag vom 12. Oktober 1920 [15] übernahm Josefa Winkler das Eigentumsrecht am Anwesen, das sie 38 Jahre inne hatte. Josefa Winkler, die älteste der Töchter, ehelichte am 3. November 1952 Adolf Thurner, den Eigentümer der unteren Mühle. Am 13. Feber 1958 übertrug sie in einem Übergabevertrag ihren Besitz an den jüngsten Sohn Rudolf Heinrich, der ihn seither inne hat. Die untere Mühle : Sie war von der Anlage her wesentlich bescheidener. Zu ebener Erde befand sich eine Rauchküche mit einem bloßen Erdboden In der dahinter liegenden Stube war der einzige wärmende Ofen im ganzen Haus. Von hier gelangte man in das Obergeschoß mit vier kleinen Kammern. In den Kirchenmatriken scheinen im Jahre 1809 ein Johann Winkler und seine Frau Rosina Payr als Besitzer auf. Es folgen 1811 Anton Winkler und Maria Rietzler. 1814 sind Martin Handl und Creszenz Rietzler genannt; ein Jahr darauf Alois Handl und Elisabeth Knabl. Ab 1820 bewirtschafteten Jakob Platt und seine Frau Maria Anna Juen das Anwesen. Total verschuldet, wurde es zweimal vergeblich zur Versteigerung ausgeschrieben. In der dritten Auktion erwarben es am 24. März 1827 die Kinder der Obgenanten: Benedikt, Alois und Anna Maria Platt, die als Bürgin Maria Baldauf von Pians namhaft machen konnten, um 610 Gulden. Ebenso hoch waren die Verbindlichkeiten [16] . Am 10. Dezember 1836 verkauften die Geschwister Platt das Anwesen dem Josef Hackl, einem Mühlenpächter aus Roppen, um 1.250 fl. Die zu übernehmenden Passiven betrugen 500 fl. Neben dem Haus, der Mühle mit Stampf und Hanfpluye, Stall und Stadl zählten noch ein Frühgarten, ein Acker ober dem Steig und einer unter demselben, ein Angermahd mit Rain und ein Waldteil sowie eine Wiese, das Rastmahd genannt, dazu. Josef Hackl betrieb sieben Jahre die Mühle, allerdings ohne wirtschaftlichen Erfolg. Benedikt Platt kaufte am 8. Juni 1843 sein Elternhaus um 1.000 fl wieder zurück. Er brauchte dafür keinen Gulden bar zu erlegen, sondern nur die gleich hohen Schulden übernehmen [17] . ![]() Ortsteil Thialmühle im Frühjahr 2003 Gericht, seinem Testament zufolge, das Mühlenanwesen dem erstgeborenen Sohn Josef Alois ein. Die überlebende Witwe erhielt den Nutzen aus dem Türkenacker am Krappfeld [18] . Zusätzlich zum Altbestand hatte er auch noch eine Wiese im Gramlach, die Roßwiese, erworben. Die Aktiven wurden auf 1.285 fl geschätzt, denen vier Schuldposten mit insgesamt 521 Gulden und 25 ½ Kreuzer gegenüber standen. Benedikt Platt muß also tüchtig gewirtschaftet haben. Josef Alois Platt war am 11. Mai 1845 geboren und war der letzte Müller der unteren Mühle, die er bis in die achtziger Jahre betrieben haben dürfte. Er erhielt später den Posten eines Gemeindedieners in Angedair und verkaufte am 20. Oktober 1912 seinen Besitz dem Zimmermann Alois Thurner von Urgen um 7.000 Kronen. Den Acker am Krappfeld behielt er für sich zurück, ebenso sein Mobilar und verschiedene Werkzeuge sowie das vorrätige Brennholz und die Hälfte des Erdäpfelvorrates [19] . Alois Thurner und seine Ehefrau Griselda Tenz stammten aus Hochgallmigg und hatten am 3. Juni 1900 in der Pfarrkirche Fließ geheiratet [20] . In dieser Ehe wurden die Kinder Filomena, Olga, Robert, Adolf, Josefa, Rosa, Anna und Josef geboren. Nach dem Tod des Vaters, am 13. April 1944, übernahm der Sohn Adolf Thurner, geboren am 21. August 1910, das Anwesen [21] . Er war mit Josefa Winkler verheiratet, der ältesten Tochter des Johann Winkler, des Eigentümers der oberen Mühle. Mit Übergabevertrag vom 23. Oktober 1987, erhielt sein ältester Sohn Alois Thurner das Anwesen [22] , der es derzeit besitzt und vorbildlich instand gesetzt hat. Die Gründe für das Ende der beiden Mühlen am Thialbach liegen einmal an der bescheidenen technischen Ausstattung und an der steilen Zufahrt von der Thialbrücke zu den Häusern. Wesentlicher ist jedoch der Neubau der Mühle in Bruggen durch Heinrich Huber. Am 10. Feber 1862 hatte dessen Vater, der Arzt Dr. Josef Huber, von Franz Miller [23] einen Baugrund zum Neubau einer Mühle erworben [24] . Heinrich Huber ließ in der Folge ein Geschäftshaus und die 1991 abgetragene Mühle errichten, die wesentlich schneller und rationeller arbeitete und zudem leichter erreichbar war. Damit war das Ende der Mühlen am Thialbach besiegelt. Georg Zobl [1] Verfachbuch Landeck 1810, Folio 29 |



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