Der Schmalkadische Krieg PDF Drucken E-Mail

Die Bindung des Hl. Römischen Reiches war trotz Zerstückelung in kleine und kleinste Fürstentümer die einheitliche katholische Religion gewesen. So besaßen auch die 3 kirchlichen Kurfürstentümer eine nicht zu unterschätzende Macht bei der Königs/Kaiserwahl. Durch die Reformation kam dieses bisher stabile Gefüge ins Wanken. Für Kaiser Karl V. bedeutete diese Entwicklung höchste Gefahr, da er den Bestand des Reiches durch verschiedene Konfessionen gefährdet sah. Die immer stärker werdende Ablehnung, verbunden mit Drohungen des Kaiser, veranlasste die Protestanten sich im Schmalkidischen Bund 1531 zu verbünden. Dass dieses Vorgehen den Kaiser de facto dazu zwingen würde, in den Krieg einzutreten, war den Fürsten bewusst und sie verhandelten mit Frankreich um einen starken Bundesgenossen zu gewinnen. 1546 brach der Krieg aus, wobei ein wichtiges Ziel der Schmalkalden Tirol war, um die Nord Süd Verbindung zwischen Italien und Deutschland zu unterbrechen. Die Protestanten konnten einen schnellen Erfolg erringen, indem sie die Festung Ehrenberg bei Reutte einnahmen.

Unter dem Kommando von Schärtlin von Burtenbach stürmten die Protestanten die Festung, worauf in ganz Tirol die Sturmglocken geläutet und Aufgebote ins Ausserfern entsandt wurden. In der Stadt Hall trat am 11 Juli 1546 der Rat um 4 Uhr früh zusammen um das weitere Vorgehen zu bestimmen. Die Haller entsandten 267 Mann zum Kampfgebiet, ebenso wurde auch aus Innsbruck ein größeres Kontingent in Marsch gesetzt.

Laut der Chronik von Hall, welche um diese Zeit geschrieben wurde, setzten sich aus Hall 267 Mann, aus Innsbruck 100 Mann, aus Matrei und Steinach 500 Mann in Bewegung, welche bis zum Tiergarten bei Schloß Martinsberg kamen, bevor sie den Befehl zur Rückkehr erhielten.

Eroberung der clausen Einburg von feindtn.

Anno 1546 am 9. und 10. Julii hat der von Augspurg haupt­mau, Sebastian Schärtl, der von Ulm hauptmau, Marzel Dietrich und Walthauser Flieger von Nörlingen mit etlichen tausent kriegsvolkh in narren des schmakaltischen pundts eingenomen die stat Füessn und das gschloss und clausen Einberg genant, ain porttn der grafschafft Tyrol. Ditzmal ist pfleger gwesen herr Jakob von Thunn, auch ist im zuegeben wordn Hahns Graff, perkrichter zu Hall. Seind nachmals von kgl. maj. zu Innsprug gefancklich ghaltn worden.
Am 11. Julii, am suntag zu morgen) die 4 ur hat man rat und gmain ghaltn und 3 kgl. pefelch verlesen, so in der nacht nachainander khumen seind, der rohalt ist gewesen, dass die gantz burgerschafft hie mit sambt den inbonern soltn in whör und har­nischt sein und eylentz der clausen und gschloss Einberg zu.
Da seind um mittntag zu Hall auszogn 200 und 67 man, aussgnomen die scheffleith, pecken, metzger, pfannhauser haben müessn zue Hall pleiben.
Die 267 man seind Bisen tag gen Zierl ankhomen, den an­dern tag habe sy ir gleger ghaltn im thiergarttn pey sand Martinswandt mitsambt dem grossen gschitz, auch der von Innsprug purger und inboner, der seindt gwesen 100 man, das Bericht Thaur 200 man, haben sy selbst ausgschossen. Der von Hall ist gwesen hauptmau Paul Guetman, fendrich Hahns Rottnkhircher. Ir gleger haben si ghaltn im thiergarttn 10 tag.(1)

Die Gefahr für die Tiroler Bevölkerung schien gebannt, als kurze Zeit darauf spanische und italienische Söldner durch Tirol zogen, welche vom Kaiser angeworben worden waren. Diese verwüsteten auf ihrem Durchmarsch das Land in gleichem Maße, wie es der Feind getan hätte. Es wurde konfisziert, geraubt, vergewaltigt, gemordet und zerstört.

Nach der Einnahme Ehrenbergs zog sich Schärtlin von Burtenbach wieder nach Norden zurück, ließ die Analage jedoch unter dem aus Hall stammenden Balthasar Fieger  mit einer starken Besatzung zurück. Am 17. August des Jahres machte sich ein Tiroler Aufgebot daran die Sperrfestung wieder einzunehmen, was auch nach fünf tägiger Beschießung gelang. Der Burghauptmann konnte kurz vor der Einnahme entfliehen.

Eroberung der claussn Ernburg von der landtschafft

Am 5.Septembris ist die claussn und gschloss Ernburg von der grafschafft Tyrol wider erobert  worden (mit hilff gottes). Walthauser Füeger von Nörlingen hat das gschloss und clausen innen ghabt in namen des schmacaltischen pundts. Ist haimlichn abgwichn pey der nacht. Aber das gschloss ist von der landtschafft hefftig erschossen wordn. Im volgettn am 7. Octobris send unsere purger, 60 man, widerumb anhaims kumen von der clausn.(2)

Der Kaiser sammelte in der Zwischenzeit Truppen in Deutschland, wodurch die Aufständischen gezwungen waren, ihre Streitkräfte aus Tirol wieder abzuziehen, um sie an anderen Fronten zur Verfügung zu haben.

In der Schlacht bei Mühlberg an der Elbe wurde der Bund besiegt, die Anführer Friedrich von Sachsen und Philipp von Hessen in Gewahrsam genommen und die Vereinigung zerschlagen.

Während des Schmalkidischen Krieges war es Karl V. möglich gewesen, Moritz von Sachsen durch die Verleihung der Kurfürstenwürde, auf seine Seite zu ziehen. 1555 griff aber jener Moritz den Kaiser, der sich in Innsbruck aufhielt abermals an. Aus diesem Grund wurde die Festung Ehrenberg bestürmt, konnte jedoch nicht zu Fall gebracht werden. Die protestantischen Truppen ließen die Festung unter Belagerung zurück und das Kriegsvolk ergoss sich ins Inntal, um Karl V. gefangen zu nehmen. Der Kaiser konnte nach Villach entfliehen, Tirol wurde jedoch abermals von einer enthemmten Soldateska geplündert. Die Söldner machten auch vor der Fürstengruft in Stift Stams nicht halt, wo sie die  Särge der Landesfürsten öffneten und der Grabbeigaben beraubten.

Unversechne ankunfft hertzogn Moritzn zu Saxn

Anno 1552, als die kays. Majestät den obpemelten vergangen wintter zu Innsprug hat gewont, hat sich ain lerman und aufrur nach weinachten pegeben im reich durch die fürstn, nemlichen herzogn Moritzn, curfürstn zu Saxn, margraffn Albrechtn zu Brandenburg, jungn lanndtgraffn zu Hessn, auch herzogn Jörgn zu Metzlburg mit aim grossen anzall volkh zu ross und fuess, (so zuvor 1552 vor Maideburg in Saxn in der belegerung glegen sindt, in namen kais. majestät und herzogn Moritzn und die selbig stat zu rue Pracht ditzmal.) Nun haben aber die obpemeltn fürstn ain unwillen und klag wider die kays. mjt. ghabt, von wegen der Spänier, so sollen regiert haben und noch, auch von wegen etlicher teütschn freyhaittn halbe, so sy vermaint widerumb in die alt grechtigkait zu pringen, auch von wegen Philippe, lanndtgraffn zu Hesse und herzog Johann Fridrich zu Saxn, der zeit kays. majestät gfangner. Haben derhalben im reich ain grosse unrue gmacht, darr sy ain verpindtnus zuvor mit kinig Hainrichn von Franckhreich haben gmacht und etlich schreiben von irren und pemeltn Franzose wider kays. mjt. auslassen gen im reich. Seiet zue Augspurg ankumen mit gwaltigen hauffnen, aber nit lang darvor glegen, sonder an alle gegenwer die obpemeltn fürstn sambtden maistn hauptleithn und adlsperschonen in die stat einglassen,  ' nachmals mit gwaltigem hauffn auff Ulm zue gruckht, die selb stat pelegert, aber nit erobert. Haben denen von Ulm etliche dörffer abprent. In mitler zeit hat kgl. majestät Ferdinand mit herzog Moritz zu Lintz in Oesterreich perschonlich ghanndlt in peysein seiner majestät surr, auch herzog Albrechte von Pairn und pischof zu Passaw. Seind freüntlich pey ainander gewesen, fridts halben gegen der kays. majestät zu handle, aber ditzmal nicht entlichs bschlossn, sonder widerumb ain gsetzn tag verornet zu halte in der stat Passau.
Am 7. May ist der röm. kinig Ferdinandt am abent Spat durch Hall graist, auff Insprugg zu der kays. majestät, iren geliebten herrn und bruedern, mit im der Sachen halben zu handle. Herzog Moritz ist aber mit seinem kriegshauffn auf Ulm zue, nachmals auff die stat Fliessen und zuvor im Pairlandt etliche clöster bschätzt, sambt etliche klain reichstätlein und bistumbn. 
Wie aber die kgl. und kays. majestät zu Innsprug peiainander Beint gwesen, haben sy aus fürsorg verornet an die claussn und gschloss Ernberg kriegsvolkh pey 13 fännle. Darüber ist öbrister haubtman gewesen herr Walthauser von Hiernhaim, ain Schwab. Man hat auch aus fürsorg aus den stehe und grichtn verornet zween ausschüss, 20000 man, hat der stat Hall troffn 200 und 32 man. Diser ausschuss ist wol in guetter ristung gwesn und im anzug, aber nit praucht worden, dan es zu Spat ist gwesen, wie nachmals pemelt wierdt. Es hat auch die kgl. majestät gehaltn 5 fänle landtsknecht zu Kopfstain und ain treffliche schantz und gräbn mache lasse.
Wie nun die obpemeltn 13 fännle knecht die claussn in ier verwarung haben ghaltn, sein die feindt der claussn zue gruckht und haben die durch haimliche prattigkn und kundtschafftn ur­versehen durch ander weg und gangsteig der gebüig und töller, auch Gaisstall, die claussn übereilt und eingenumen, derhalben etliche entleibt seiht worden, auch von den feinde gefangen und verjagt worden. Hahns Forcher, der zeit kriegssecretari, ist auch von pemeltn feinde und kriegsvolkh gefangen und geschätzt wor­den umb etliche taller und gefänkhlichn gen Innsprug gefüert, nachmals ledig gelassen. Der öbrist, herr Watthauser von Hiernhaim ist diser zeit nit da gewesen, schwachait seines leibs halben. Das gschloss Einberg aber ist erhalte worden manlich, darin guet, erliche herrn und ander kriegsleüt ditz lands sein glegen.
Wie nun die kays. und kgl. majestät soliches besieht seind worden, haben sich ire paid majestettn mit sambt dem gfangnen herzog Hannsen von Saxn, auch irem ganze hoffgsindt, sambt den 500 geraisigen niderlendischn pfardtn und pey 30 geraisig Spannier, so zu Hall sein glegeh, eilent zu abent umb die 9 ur aus Innsprug auff Praunegn zue graist, nachmals in Kerndtn. Beschehen am 19. Mai.
Als nun das kriegsvolkh sambt iren fürstn, nemlichn herzog Moritzn, junge landtgraffn zu Hesse, herzogn Jörg von Meglwurg die claussn nun erobert haben, (der marggraff Albrecht von Pran­denburg ist diser zeit nit dapey gewesen, sonder mit seinem kriegshauffn vor Nürnberg gelegen und dieselbig derzeit pelegert und inen etliche dörffer verprent, aber die stat nit erobert, aber ain grossmechtige summa geltz von ihnen gschätzt,) seind die obpemeltn fürstn sambt irem kriegsvolkh auff Innsprug zue graist an allen widerstant. Also hat die kgl. regierung (derzeit stathalter herr Wolfgang von Grienstain, gfürster abt zu Kemptn) ain gsandtn, den kamerprocurator Tatler, doctor pedes rechte, zu pmeltn kriegsfürstn gschickht, in was gstalt sy herein raissn mit solcher macht in die graffschafft Tyrol und mit andern worden durch gschrifft. Darauf pmelter herzog Moritz sambt seinen verwandtn müntlichn und gschrifftlichn antwurt geben, sy pegern ain freüntlichn pass 1552 durchs lanndt, dem kinig und lanndt on schaden, wo nit so wellen sy als die feindt dardurch ziehn, dan sy suchn yren feindt, den kayser sambt seinen Spänniern, wo sy in dan finden, und mit andern worden. Auf solliches hat die regierung wol ain pass müessen vergunnen, dieweil sy schon im lanndt sein gwesen mit macht. Also ist herzog Moritz sambt pemeltn fürstn zu Innsprug ankumen am 23. May mit 21 fännle kriegsvolkh zue fuess. Haben fast alle weisse pindn oder imperi tragen und in fannen die fran­zösischen gilgen. Seind auch etlich hundert graisiger pferdt mit kumen. Herzog Moritz hat das fuessvolkli ausserhalb der stat in ain wisen oder feldt das leger lassen schlagen und kain fuess­ knecht in die stat glassn und die thör selber durch seine diener lassen verwaren. Man hat auch pmeltn fuessvolkh in die oben an­ gezaigt wisen profandt lassen zue füern aus pefelch der regierung von den zwaien stettn Innsprug und Hall, auch aus etlichn dörf­fern, des das kriegsvolkh selbst bezalt hat pey hauffn. Aber was sy den paurn auff den pergen und töllern, auch dörffern mit gwalt haben gnummen (wie dan der gärtknecht art ist, der dan vil da sent gwesen sambt andern malefizigen). Herzog Moritz kurfürst ist in der vorstat pey postmaister glegen, aber etlich mal in der stat zu gast gessen. Den andern tag haben die pmeltn kriegsfürstn pegert an aydes stat, inen anzuzaigen der Spännier truchnen sambt yren güettern darin. Also hat man aus genetter not müessen anzaigen, was da pliben ist in den heüsern phaltweiss, zu Insprug den merern tail, zu Hall pey 3 truchnen. Also haben sy die truchnen all auff gschlagen mit gwalt zu Insprugg auff dem palnhauss in peysein herzog Jörgn von IsIeglburg, der sich dan nit gsaumbt hat in diser peydt. Haben vil güetter gfunden und sonderlichn der kayserischn mercadantn und reichn Juden kauffmansgüettern. Der königlichen majestät haben sy nicht verruckht oder - entfüert, als der jung lanndtgraff soll etlich stuckh püxn entlehnt haben am hinausziehen an der claussn (vileicht auff nimer wider geben). Man schetz auff ain grosse summa gelts, so sy erpeidt habet- Dem pischoff von Arras, kays. mjt. canzler, haben sy auch mit grosser pegier in seinem abwesen in seiner herberg alle gmäch und truchn ersuecht und was gfunden. Herzog Moritz hat auch in disem dasein gen Hall in die stat verornet 2 rottn seines kriegs­ volkhs, pey 20, haben die statthor verhüet mitsambt etlichn purgers leittn, von dem rat der stat darzue verornet, damit kainer von obpmeltn kriegshauffn in die stat kein und Iren muetwilln darin zu gebrauche. Die obpemeltn 2 rotte, herzog Moritzn kriegsknecht, haben zu Hall ain tag und nacht verzert 24 golden, des die stat hat bezalt, sambt 5 taller, thuet 5 fl. 40 kr., darzue verert, des irren darr zue wenig ist gwesen.
Die kinigklich regierung zu Innsprug hat mit pmeltn kriegsfürstn so vil mit irren freüntlichn gehandlt, das sy das kriegsvolkh am 25. May widerumb zurugg aus dem lanndt durch die claussn Einberg haben gschickt. Herzog Moritz sambt herzogen Jörgen von Megckhlburg seiet am obpemeltm 25. May (das ist am Auffartabent) zu Hall Spat ankumen mit etlichn pfärdtn, morgens in aller frue umb die 5 ur auff dem Iunstram auff Passau zuegfaren, da darr ain angsetzter tag des Enden halbe solt gehanndlet werden durch etliche fürstn des Teichs sambt dem römischen kinig Ferdinand. Das obpmelt kriegsvolkh hat der jung lanndtgraff von Hessen widerumb aus dem lanndt gefüert, aber mit klainem nutz, darr sy grossen schaden haben gethan in den dörffern und ainign heüssern an der strassen glegen, auch pfarrhöffn sambt den kirchnen grausam ghandlt, das closter Stambs geplindert den merern tail, den markh Reitta pey 6 heuser verprent und geplindert.(3)

Aufgrund dieser Ereignisse kam es zum Augsburger Religionsfrieden, welcher jedem Landesherrn das Recht einräumte für sich und seine Untertanen die  Religion frei wählen zu können. Dies war jedoch nur ein Frieden auf Zeit, der 30 jährige Krieg sollte folgen, der in seinen Ausläufern auch Tirol betraf.

Autor: Mag. Michael Fritz


  • 1 Schönherr, David: Franz Schweyger's Chronik der Stadt Hall, 1303-1572; Innsbruck. 1867.p. 105
  • 2 Schönherr, David: Franz Schweyger's Chronik der Stadt Hall, 1303-1572; Innsbruck. 1867.p. 110 f
  • 3 Schönherr, David: Franz Schweyger's Chronik der Stadt Hall, 1303-1572; Innsbruck. 1867.p. 120 ff

 

 

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