Der Bauernkrieg unter Michael Gaismair PDF Drucken E-Mail
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Einfluss der Reformation

„Betont wird das evangelische Wesen der erhofften neuen Ordnung im Gegensatz zu den feudalen, als >>widerchristlich<< empfundenen und bezeichneten Normen, die abgelehnt wurden und ersetzt werden sollten. Insoweit war das Evangelium - seine Interpretation als >>Göttliches Recht<< - eine Vorbedingung revolutionärer Programmatik im deutschen Bauernkrieg."[28] Sächsische Bergknappen waren wohl die ersten, welche die neue Lehre Martin Luthers nach Tirol brachten. Ferdinand I. war im streng katholischen Spanien erzogen worden, begann die deutsche Sprache erst 1523 zu lernen und war zu Beginn seiner Herrschaft, so erschien es zumindest einigen politisch Verantwortlichen in Tirol und noch heute diversen Historikern, seinen Ratgebern ausgeliefert. „Er umgab sich auch in Innsbruck mit fremdländischen Beratern, darunter dem berüchtigten >>Juden<< Salamanca, der sich bald zum eigentlichen Regenten Tirols aufschwang. Er und Jakob Fugger, der die kaiserliche Wahl und Politik finanzierte, dafür die Tiroler Silber- und Kupferbergbaue ausbeutete und enorme Zinsen aus dem Land zog, waren die meistgehassten Personen im Tirol jener Zeit."[29] Als Katholischer Herrscher brachte Ferdinand den Lehren Luthers zudem Feindschaft entgegen. „Er bekämpfte aus zwei Gründen die neue Lehre. Seit seiner Jugend ein überzeugter Anhänger des katholischen Glaubens, sah er es als sein Pflicht an, in seinem Bereich die Einheit der Lehre zu wahren. Der andere Grund lag in der staatspolitischen Erwägung, welche Gefahr der religiöse Zwiespalt innerhalb der Stände für die Einheit Österreichs, für die Macht des Landesfürsten und für seinen Abwehrkampf im Osten bedeuten könnte. 1523 erließ Ferdinand ein Verbot des protestantischen Schrifttums [sic.]; es blieb erfolglos."[30] Nur aufgrund der Erziehung des Monarchen im katholisch strengen Spanien und der realpolitischen Gefahr der Türkenbelagerung im Osten des Reiches mag die Härte erklärbar sein, mit der Ferdinand in späterer Folge gegen Tiroler Wiedertäufer vorging, erinnert sei an Jakob Huter aus dem Pustertal, sowie an die Zillertaler Protestanten. Unter Berufung auf den Augsburger Religionsfrieden verwies er die Anhänger der neuen Lehren des Landes und ließ Tirol unter Mithilfe der Jesuiten bzw. Franziskaner durch intensive Seelsorge, Unterricht und Predigt rekatholisieren. Seit dieser Zeit schwingt wohl in der Selbstbezeichnung vom so genannten „heiligen Land Tirol" ein gewisses Maß an Gewalt mit, dem sich die meisten Bewohner des Landes heute nicht mehr im Klaren sein dürften, deren gesellschaftspolitische Auswirkungen sie aber auch heute zu spüren bekommen, dazu aber später.

Reformatorische Gedanken waren im 16. Jahrhundert durchaus realpolitischer Sprengstoff, oder besser gesagt der Katalysator der Bauernkriege.  „Die Norm des Evangeliums war das Bindeglied zwischen reformatorischer Bewegung und bürgerlicher Erhebung. Sie gab dieser ein allgemeines Fundament."[31] Der Klerus in Tirol sah zwar die eigenen Missstände, musste aber gesellschaftspolitisch einen zwei Frontenkrieg führen. Zum einen durfte er nicht zulassen, dass die unteren Stände eine Gleichstellung mit der Obrigkeit aufgrund des Evangeliums forderten. „Ernsthafte Kritik an der Pflichtausübung, der Lebensführung und den wirtschaftlichen Vorrechten der Geistlichkeit war bereits auf dem Landtag von 1518 laut geworden. Zum anderen wollte der Klerus die geistliche Immunität gerade in Brixen vor tirolerischer Einmischung schützen."[32] Die Bistümer Brixen und Bozen hatte im Unterschied zum restlichen Tirol den Bauern keine Mitsprache in der Landschaft, also eine eigene Vertretung gewährt und auch wurde die Grundherrschaft in Brixen härter ausgeübt, als in der Grafschaft Tirol. „Die räumliche Abgrenzung der Reichsfürstentümer Brixen und Trient in dem Umfange, wie er 1525 bestand, und ihr Verhältnis zur Grafschaft Tirol gehen im wesentlichen auch auf das späte 13. Jahrhundert zurück, waren also längst Gegebenheiten. [...] Staatsrechtlich waren die Hochstifte eigene Reichsfürstentümer, doch zufolge gräflicher Übermacht, Vogtei und Verträgen längst engstens mit Tirol verbunden. Beide Fürstbischöfe und ihre Domkapitel hatten auf den Tiroler Landtagen Sitz und gewichtige Stimme."[33] Der weltliche Adel jener Zeit liebäugelte im Gegensatz dazu mit der neuen Lehre, denn er spekulierte bei einer möglichen Säkularisierung, auf die geistlichen Besitztümer Brixens. Durch diesen Hintergrund ist es einleuchtend, dass Bischof Sprenz von Brixen alle reformatorischen Einflüsse abzuwehren und sein Land zu rekatholisieren gedachte. „Nicht nur lutherische Schriften stießen bei den Brixenern auf Interesse: 1523 predigte in der Stadt ein Schneidergeselle, namens Hans, aus Niedervintl täuferische Gedanken müntzerischer Prägung. [...] Ende 1524 sympathisierte ein Großteil der Bürgerschaft mit den Verfechtern reformatorischen Gedankenguts. Der Bürgerausschuss stellte sich schützend vor sie, indem er im Oktober den bischöflichen Räten erklärte, niemanden predigen gehört zu haben."[34]



 

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