| 1412 - Tirol gegen Bayern |
|
|
|
Seite 3 von 4 Die Anstrengungen, die ein solcher Krieg für eine Stadt bedeuten konnte, sollen im folgenden am Beispiel Hall gezeigt werden. Die Angaben stammen aus dem Haller Raitbuch der entsprechenden Zeit.
„Noch von der Raise wegn gen puch do die Bayrn auf daz lant zugn und als die Stat ain zoch an Sampstag nach martini [6.11.] mit LXXII pfärdn und LII man ze fuss die lagn ze fäld vier wochn waz"[4]. So schildert der Stadtschreiber im Raitbuch eine für die damalige Zeit immense Kraftanstrengung der Stadt: 72 Berittene und 52 Fußsoldaten stellte Hall dem Landesfürsten zur Verfügung, das bedeutet im gesamten 124 Soldaten, welche von der Stadt für vier Wochen ausgerüstet, als auch versorgt werden mussten, wie es die Landesfreiheiten anordneten. Neben Mannschaften wurde auch schweres Gerät an diese Sperrstellung von der Stadt Hall verlegt: „Item die puchs ze furn von friedberg die man hin ain hat gnommen in die Raise g VI"[5]. Ob es sich dabei um eine Kanone aus dem Bestand Halls, oder um eine Transferleistung handelte, lässt sich nicht eindeutig klären. Die Stellung ließ sich eine Zeit lang halten, doch wurde sie letztendlich durch die Bayern eingenommen und diese belagerten im Jänner 1413 Hall.
Um 104 Soldaten und 72 Pferde über die Herbst und Wintermonate mit Lebensmitteln zu versorgen, bedurfte es eines beträchtlichen finanziellen Aufwandes, den die Stadt Hall aufzubringen hatte: 2.476,25 Kreuzer betrug die Summe, welche für Brot, Fleisch, etc. bezahlt werden musste. Dieser Betrag schlüsselt sich folgendermaßen auf:
Alle Preise in Kreuzer umgerechnet
Der weitaus überwiegende Teil der Ausgaben umfasst in dieser Kategorie die Rubrik „Brot/Korn". Der Großteil davon wurde für das bereits gebackene Produkt aufgewendet, welches an den Ort der Kampfhandlungen befördert wurde:
"Item hansn dem pekchn um hundert prot g XX
Item prandl an der fuer in daz vält Pfund X"[6]. Es ist aus den Aufzeichnungen im Raitbuch zu erkennen, dass die Versorgung mit Brot zusätzlich auch durch Feldbäckereien gewährleistet wurde, da eine Rechnung für einen Backofen aufgelistet wurde.
„Item von Saths oven prot ze pachn g VIII"[7].
Dieser Ofen und die Anschaffung von Korn[8], lässt auf eine sehr diffizile Infrastruktur im Haller Aufgebot erkennen: Das Getreide musste transportiert, gemahlen, weitere Zutaten organisiert und gebacken werden. Auch die Verteilung musste nach einem gewissen Schema erfolgen, da 124 Soldaten zu gleichen Teilen versorgt werden mussten. Neben dem Grundnahrungsmittel Brot, scheint die Versorgung mit Fleisch eine hohe Priorität gehabt haben; 792 Kreuzer wurden für diese Rubrik aufgewendet. Überwiegend wurde Rindfleisch verzehrt, wobei die Palette von Stier- über Kuh- bis zum Kalbfleisch reichte[9]. Auch wurden Hühner zum Zwecke des Verzehrs angekauft, wie auch einmalig ein „Sweinempratn [Schweinebraten]"[10] angeführt wird. Ein Nebenprodukt der Tierverwertung stellt Schmalz dar, welches in nicht unbeträchtlicher Menge für die Truppen im Feld erstanden wurde, inwiefern es in der Küche Verwendung fand, ist nicht bekannt. Ein weiteres wichtiges Grundnahrungsmittel stellten Milchprodukte dar, wobei der Käse eine tragende Rolle spielte: Auffallend ist, dass bei allen Einträgen nie Milch als Produkt selbst nicht erwähnt wird, sondern nur als veredeltes Endprodukt. Die Aufzeichnungen unterteilen zwei Käsesorten: zum einen den „ziger", ein Ziegenkäse, der bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein in Tirol wegen seiner langen Haltbarkeit weit verbreitet war, andererseits um „chäs", bei dem es sich wahrscheinlich um eine primitivere Art eines harten Kuhmilchkäses handelte. Neben den oben angeführten Hauptbestandteilen der Ernährung wurden weiters noch „zwifulln [Zwiebel]"[11] und „gärstn"[12] an die kämpfende Truppe verteilt. Nicht nur die Menschen mussten mit Essbarem versorgt werden, sondern auch die Pferde. Diesbezüglich wurden vom „prandl" zwei „star"[13] Futter erworben, was durch die Zeit, in welcher der Krieg geführt wurde, erklärbar ist: Konnten sich die Pferde während des Sommers und auch im Herbst und Frühjahr vom Gras selbst versorgen, so musste bei Schneelage zumindest zugefüttert werden. Neben der Selbstzubereitung von Gerichten, bezahlte die Stadt Hall ihren Recken auch einige Mahlzeiten in Wirtshäusern in der Nähe der Puchser Klause, wie folgendes Beispiel belegt:
„Item dem Wirt von dem Chastn Pfund II"[14].
Abschließend kann festgestellt werden, dass Kriege in der damaligen Zeit auch für Städte wie Hall in Tirol, welches aufgrund des Handels und des Salzes große Einnahmequellen hatte, eine imense finanzielle Belastung darstellten.
|
||||||||||||||||||||||||||||


