Voraussetzungen und Kurzbeschreibung der Ereignisse PDF Drucken E-Mail

Generell entwickelten sich Adelsbünde zumeist in einem Umfeld des an Macht verlierenden Adels und eines sich emanzipierenden Bauern- und Bürgertums. Die immer stärker werdende Position der Landesfürsten aufgrund der Territorialbildungen war für den Adel oft ein gewichtiger Grund sich zu verbünden.

  • Die Mittelalterliche Gesellschaft war geprägt von einer sehr ausgeprägten Aufgabenteilung:
  • Die Bauern für die Versorgung mit Nahrung
  • Das Bürgertum für Handel und Gewerbe
  • Der Klerus für Religion und Bildung
  • Der Adel in erster Linie für die Kriegsführung und für die Verwaltung

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts kam es zu einer Revolution im Bereich der Kriegsführung:

Neue Waffen und Taktiken nahmen dem adeligen Ritterheer den Nimbus der Krönung des Kriegswesens. Nun traten Erfindungen in den Vordergrund, die nicht mehr eine jahrzehntelange Ausbildung erforderten: Das Schießpulver und die damit verbundenen Kanonen und Handfeuerwaffen. Ebenso hatte sich in den Appenzeller Kriegen gezeigt, dass gut organisierte Infanterieverbände einen undurchdringlichen Wall gegen Kavallerie bilden konnten. Zwar bildete das Ritteraufgebot immer noch den Kern fast aller Armeen Europas, jedoch erkannte man bereits, daß diese in kürzester Zeit nicht mehr effektiv sein würden.

Die fortschreitende Fortifikation [1] der Städte führte ebenso zu einem Machtverlust: war es einem berittenen Heer ohne weiteres möglich eine Siedlung anzugreifen und zu verwüsten, stand man vor einer Stadt vor großen Problemen. Die Artillerie, sowohl die ballistische al auch die konventionelle, war dem Verteidigungssystem noch nicht gewachsen. Desweiteren hatten die Städte als wirtschaftliches Zentrum die finanzielle Möglichkeit, sich waffentechnisch und auch fortifikatorisch auf dem neuesten Stand zu halten. Demgegenüber musste der Adel seine Burgen aus den Einnahmen der Agrarwirtschaft erhalten. Das sich immer mehr ausbreitende Söldnerwesen gab den Städten auch die Möglichkeit sich professioneller Krieger zu bedienen.

So wendete die Stadt Hall im Jahre 1411 2608 Kreuzer allein für Waffenankäufe auf, wobei es sich nur um Fernwaffen wie Büchsen (1948 Kreuzer), Büchsensteine (60 Kreuzer) und Pfeile bzw. Armrustbolzen (600 Kreuzer) handelte. [2]

Ein weiterer Grund für den politischen Machtverlust des Adels an das Bürgertum waren die Zahlungen der Städte an den Landesherren, der bald seine Einnahmen zum Großteil aus dieser Quelle bezog, wogegen die Einnahmen und die damit möglichen Zahlungen des Adels abnahmen.

In Tirol kam noch ein weiterer Punkt hinzu: Schon Meinhard II. hatte bewußt den Bauern besondere Rechte zukommen lassen. Dies geschah aus der Überlegung heraus, den Adel zu schwächen. Diese Entwicklung setzte sich bei Meinhards Nachfolgern weiter fort.

Trotzdem wäre es für die Landesherrn gefährlich gewesen, sich offen gegen den Adel zu stellen, da sich mit dem Klerus ein weiteres Konfliktfeld eröffnete: Sowohl das Bistum Brixen, als auch das Bistum Trient hatten über viele Herrschaftsgebiete die Oberhoheit, wobei der Landesfürst als Vogt in deren Diensten stand. War ein Bischof politisch selbstbewusst und wollte seine Rechte aktiv ausüben, so konnte dies schnell zu einer auch militärischen Auseinandersetzung führen, wie jenem zwischen Bischof Georg von Liechtenstein und Herzog Friedrich IV.. So eine Konstellation bot dem Adel die Möglichkeit sich einerseits mehr Rechte zu erpressen, oder aber auch sich aktiv gegen den Landesherrn zu stellen. Da der Habsburger Friedrich über eine starke Hausmacht verfügte, war es für den renitenten Adel in dieser Situation unbedingt notwendig als starke Gruppierung aufzutreten. Am 23.8.1406 wurde der Elephantenbund von 21 jungen Adeligen gegründet. Sein offizielles Ziel bestand darin, die Tiroler Landesordnung zu schützen. Diese Aussage für sich genommen, konnte sich nur gegen den Landesherrn wenden, denn ansonsten hatte niemand die Möglichkeit sich gegen die Landesordnung zu stellen. Die Dauer des Bündnisses war auf fünf Jahre ausgelegt, wobei er bereits nach sieben Monaten vom Falkenbund abgelöst wurde, bei dem auch der Landesherr Mitglied war. Als kunig des Bundes wurde Heinrich von Rottenburg gewählt, der als größter Grundbesitzer innerhalb des Adels galt.

Der sich daraus entwickelnde Konflikt wird in späterer Folge noch genauer betrachtet werden. 1410 kam es schlussendlich zur militärischen Auseinandersetzung, in deren Verlauf Heinrich von Rottenburg, der „kunig“ des Elephantenbundes sich auch mit den Bayern gegen seinen Lehensherrn verbündete. Friedrich IV. konnte sich aufgrund der Unterstützung der Städte und Bauern und mit der Hilfe seines Bruders Ernst von der Steiermark gegen diese Bedrohung von Innen und Außen durchsetzen. Ein Schiedsspruch des Erzbischofs Eberhard III. von Salzburg beendete diesen Konflikt, wobei der Rottenburger sämtliche Besitzungen verlor. Es folgte eine Konsolidierung des Landes nach Innen, wobei die Ereignisse rund um das Konzil von Konstanz diese bemühungen wieder großteils zunichte machten. In 3 Artikeln, welche im Abstand von 2 Wochen hier eingestellt werden, soll diese Thematik näher beleuchtet werden.

Folgende Themen sind hierfür vorgesehen:

  • Der Falkenbund
  • Der Elephantenbund und der Krieg Friedrich IV. gegen diesen und die Bayern
  • Der Krieg Friedrichs IV. gegen das Adelsgeschlecht der Starkenberger

Mag. Michael Fritz, 2004



[1] Befestigung
[2] Stadtarchiv Hall: Raitbuch der Stadt Hall Erster Band 1411-1413 ,1421-1423

 

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