Thaur: Schloss und Romedikirche PDF Drucken E-Mail

barbkaneZum Film Thaur: Schloss und Romedikirche sollen im folgenden Artikel Hintergrundinformationen geliefert werde.

Kirche zum Hl. Peter (Romedikirche)

Romedikirche
Romedikirche
Obwohl das im Volksmund Romedikirche genannte Gotteshaus nicht zum Ensemble des benachbarten Thaurer Schlosses gehörte, bildet es wahrscheinlich neben diesem den zweiten zentralen Punkt Thaurs im Mittelalter. Der Sitz der Urpfarre Thaur lag wahrscheinlich an diesem Ort. Dieses ursprüngliche Bauwerk war ein doppelstöckiger romanischer Bau, dessen Unterkirche heute als Lagerraum genutzt wird und die Mauerreste noch an den Rändern des Plateaus erkennbar sind. Da hier wahrscheinlich das Zentrum der Urpfarre lag und Herzog Friedrich IV. annahm, das es in diesem Bereich Schätze geben musste, ließ er 1432 Grabungen unter dem Gotteshaus durchführen, die zwar keinen Schatz fanden, jedoch das Gemäuer so belasteten, dass die Kirche in einen baufälligen Zustand verkam. Nachdem im 17. Jahrhundert unter Erzherzog Leopold V. die Kirche restauriert wurde, musste sie nach Erdbebenschäden im Jahre 1778 einem Neubau weichen.

Schon früh sind in der Umgebung der Kirche Einsiedler bekannt, beim Neubau der Kirche wurde über der Krypta des alten Gotteshauses eine Einsiedelei errichtet, welche bis 1869 besetzt war. Aus derselben Zeit stammt auch das Hl. Grab am Weg zur Kirche.

Die Deckenfresken wurde durch die Brüder Joseph und Franz Giner gemalen, welche in der Werkstatt des Joseph Anton Zoller gelernt hatten.

Hochaltar
Hochaltar

Die Fasten- und Weihnachtskrippe wurde von verschiedenen Einsiedlern gefertigt, wobei sich vor allem Felix Zimmerling hervortat, der selbst das heilige Land besucht hatte und seine Eindrücke am Krippenberg verweigerte.

 

Thaurer Schloss

 

Das Thaurer Schloss inspirierte in den vergangenen Jahrhunderten Dichter, Maler, aber auch Historiker zu kühnen und abenteuerlichen Thesen. Diese reichen von einer Erbauung in der Römerzeit bis hin zum Stammsitz der Andechser.
Die Realität war jedoch viel unspektakulärer:
Besiedelt war der Hügel wahrscheinlich schon in vorgeschichtlicher Zeit, wie Gräberfunde belegen.
827 wird der Ort erstmals in einer Schenkungsurkunde des Klosters Innichen erwähnt.
Das Schloss scheint am Ende des 12. Jahrhunderts errichtet worden zu ein, darauf deuten jedenfalls Quellen und archäologische Befunde hin. Urkundlich erstmals erwähnt wird die Anlage im Jahre 1232, ab dieser Zeit finden sich auch Abrechnungen zu diversen Bauvorhaben. Aufgrund dieser Aufzeichnungen kann man recht genau die Bausubstanz den einzelnen Bauschritten

Barbekane
Barbekane
zuordnen: Zu Beginn des 14. Jahrhunderts bildeten der Palas, der Bergfried und der Burggrafenturm die Festung, wobei diese das Wasser nicht, wie zumeist üblich aus einer Zisterne erhielt, sondern eine eigene Wasserleitung besaß. Diese scheint sehr anfällig gewesen zu sein und gehörte zu den am häufigsten reparierten Teilen des Schlosses.
Die zweite Bauphase begann im 15. Jahrhundert: Vor allem der Wohnraum wurde erweitert wofür ehemalige Wehrbauten weichen mussten. So wurde 1484 -89 ein Saal errichtet, dem die Torstube weichen musste. In diese Zeit fiel auch der Bau der Barbekane. Dabei handelte es sich um eine Art Burg vor der Burg, die zumeist nicht direkt mit der Inneren Anlage verbunden war und als Schutz gegen die neuen Feuerwaffen galt. Dieser Teil des Thaurer Schlosses ist der bis heute am besten erhaltene.
1500 wurde die Schlosskapelle unter Kaiser Maximilian dem Hl. Maximilian geweiht, wobei diesem Vorgang wahrscheinlich ein Umbau voranging.
1504 wurde das Dach neu gedeckt und 1511 kam die Anlage als Pfand an Hall, das sich über die schlechte Bausubstanz beklagte.
Aus dem Jahre 1514 ist eine Schadensliste überliefert, die ein tristes Bild der Anlage wiedergibt: Die Dächer undicht, Holzkonstruktionen verfault und die Wasserleitung defekt.
Beim Bauernaufstand 1525 brach ein Brand aus, der den Verfall beschleunigte. 1537 kam die Anlage an die Herrn von Helfenstein, die bei der Übergabe folgende Inventur vorfanden: Vieles zerstört oder leer, die Harnische verrostet, die Büchsen zerbrochen usw.
1550 brach die Schlossbrücke zusammen, die Mauern hatten aufgrund von Unterwaschungen an Stabilität verloren und diverse Tore und Mauern drohten einzustürzen.
1564, das Thaurer schloss befand sich zu dieser Zeit im Besitz der Fieger, fiel er Turm zusammen.
1616 verließ der Pfleger von Thaur der das Gerichtswesen des Gerichts Thaur inne hatte das Schloss und zog ins neu errichtete Pflegerhaus in Thaur.
Ab diesem Zeitpunkt verfiel die Anlage zusehends.
Sind die Besitzverhältnisse in der frühen Erbauungzeit oftmals nicht genau rekonstruierbar, so gehörte die Anlage ab 1284 bis zum Verfall dem Tiroler Landeherrn.
Schloss Thaur galt als die größte und stärkste Befestigungsanlage im Inntal.

(Autor: MF)

 

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